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Meine Rezensionen in der Ausgabe #623 des eZines “Der Schallplattenmann sagt…”

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Glenn Gould · H. von Karajan - L. van Beethoven: Klavierkonzert No. 3Glenn Gould · Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan – Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert No. 3, c-Moll, op 37 | J. S. Bach: aus “Das Wohltemperierte Klavier II”
(Aufnahme 1957, 2009, CD, Membran)

Als Glenn Gould (1932-1982) im Mai 1957 von einer gefeierten Konzertreihe in der Sowjetunion auf der Rückreise in Berlin halt machte, kam es zu einer bemerkenswerten künstlerischen Begegnung (Ende der 1950er hätte man sich in Berlin kaum eine spektakulärere Begegnung ausdenken können): Glenn Gould spielte mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan (1908-1989) das Klavierkonzert Nr. 3, c-moll, Op. 37 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) im Konzertsaal der Universität der Künste. Die Kritiker damals waren völlig aus dem Häuschen, dann aber geriet der Mitschnitt in Vergessenheit, bevor er im letztjährigen “Karajan-Jahr” zum ersten Mal offiziell von Sony veröffentlicht wurde.

Mittlerweile wurde die klanglich eher dürftige Live-(Mono)-Aufnahme auch vom Reissue-Spezialisten Membran in seiner Documents-Reihe veröffentlicht. Aber welchen künstlerischen Wert hat denn nun das vermeintliches Gipfeltreffen? Nun, bei genauerem Hinhören eigentlich enttäuschend wenig. Für Gould’sche Verhältnisse ist dies eine brave, streckenweise sogar sehr konventionelle Einspielung. Zwar brilliert er in den Solo-Parts immer wieder mal, spielt aber insgesamt mit einem seltsam biederen, manchmal viel zu weichem Orchester im Rücken. Goulds Dynamik und Leichtigkeit geht im Karajan’schen Orchester-Samt immer wieder unter, außerdem sind Karajans Tempo-Vorstellungen nicht immer die von Gould, vor allem im ersten Satz finde ich diese Diskrepanz sehr störend. Goulds klares Spiel will einfach nicht mit Karajans “entmaterialisierter”, geglätteter Klangphilosophie harmonieren. So bleibt diese Aufnahme in erster Linie nur ein historisches Dokument. Die schlechte Soundqualität des Ausgangsmaterials und das laute, katarrisch hustende Publikum tun da ihr übriges. Bei aller Freude über eine “neue” Gould-Aufnahme, diese CD ist eigentlich eher etwas für Komplettisten, selbst der Karajan-Fan sollte in seinem reichhaltigen Katalog bessere Alternativ-Aufnahmen des Konzert finden.
Glenn Glenn Gould · Leonard Bernstein - Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert No. 3 auf amazon.deGould sollte 1959 mit Leonard Bernstein das dritte Klavierkonzert für sein Label Columbia in deutlich besser Klangqualität und letzten Endes auch in einer deutlich schlüssigeren Interpretation aufnehmen.
Ergänzt wird die Gould-Karajan CD durch Aufnahmen von zwei Fugen aus “Das wohltemperierte Klavier, Buch II” von J.S. Bach. Diese wurden offenbar ausgewählt, weil sie ebenfalls 1957 entstanden, doch was nützen einem die zwei kleine Fugen als nette “Bonus Tracks” wenn der Rest nur mäßig überzeugen kann?

Interpretation
Klang-Restaurierung
Booklet
Preis / Leistung

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