Schlagwort-Archive: Romantik

Kostenlos und sehr gut: Chopins „Préludes“ op. 28 von Cecile Licad (Bon anniversaire, Frédéric)

Heute vor 215 Jahren erblickte Frédéric François Chopin in Żelazowa Wola im Herzogtum Warschau das Licht der Welt. Oder vielleicht war es auch erst am 1. März (so zumindest Chopins eigene spätere Angaben, im Widerspruch zu seiner Geburtsurkunde). So oder so hat uns der große Romantiker einige der populärsten Werke der Klavierliteratur hinterlassen. Mein persönliches Highlight aus seinem Œuvre sind die 24 Préludes op. 28, die er während seiner Zeit auf Mallorca schrieb.

Diese gelungene Aufnahme der philippinischen Pianistin Cecil Licada pianist’s pianist«, The New Yorker) gibt es glücklicherweise nicht nur bei Youtube, sondern auch als kostenlosen und legalen MP3-Download (128 kbps) vom Isabella Stewart Gardner Museum, wo man übrigens unglaublich viele exzellente Klassik-Aufnahmen kostenlos und legal zum Download findet.

Cecile Licad – Frédéric Chopin: 24 Préludes, op. 28 (rechtsklicken und „Speichern unter…“ auswählen um direkten Download von der Seite des Gardner zu starten)

Kostenlos und sehr gut: John Michel spielt das Cellokonzert von Antonín Dvořák

Antonín DvořákGestern habe ich den ganzen Tag Werke für Cello und Orchester des tschechischen Komponisten Antonín Dvořák (1841-1904) gehört. Dvořák ist mit Sicherheit einer meiner Lieblingskomponisten, wenn es um romantische Orchesterwerke geht: Seine berühmte Sinfonie No. 9 aus der neuen Welt in e-Moll, op. 95, sein Violinkonzert, seine sinfonischen Dichtungen, alles hat jenen betörend schönen, typisch böhmischen Orchesterklang, der sich durch schöne Melodiebögen und besonders prominent eingesetzte Bläser auszeichnet. Ebenso empfehlenswert ist seine Oper »Rusalka« und weite Teile seiner Kammermusik, hier vor allem seine Klaviertrios und -quintette und seine späten Streichquartette. Wirklich Dvořák ist deutlich mehr als nur ein One-Hit-Wonder (mit seiner Sinfonie aus der neuen Welt, die natürlich alles andere an Bekanntheit in den Schatten stellt) der klassischen Musik.
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Kostenlos und sehr gut: (Nicht nur) Klassische Musik beim »Free Music Archive«

FMA-LogoBereits vor einem Jahr hatte ich an anderer Stelle das Musikportal »Free Music Archive« vorgestellt: Auf den Seiten des FMA findet man redaktionell ausgewählte und betreute Musik unterschiedlichster Genres zum kostenlosen Download. CC LogoDies soll einen gewissen Qualitätsstandard gewährleisten und in der Tat: Das Free Music Archive wächst relativ langsam und der übliche Schund, den man bei anderen kostenlosen Netlabels oder Downloadseiten findet, ist hier erfreulicherweise nicht vertreten. Die angebotenen Downloads erfüllen alle ein gewisses Qualitätsniveau innerhalb ihres Genres. Die Downloads selbst kommen als gezipte Archive mit MP3s in unterschiedlicher Komprimierung. Bei meinen Testdownloads hatten allerdings alle Dateien recht ordentliche Qualität (320 kbps, VBR ‚High‘ u.ä.). Alle auf den Seiten des FMA veröffentlichte Musik ist mit einer Creative Commons-Lizenz ausgestattet, die das kostenlose Downloaden und Vervielfältigen (auch in Tauschbörsen oder auf Websiten) für nicht-kommerzielle Zwecke unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. (Details zur jeweiligen Variante finden sich auf jeder entsprechenden Downloadseite).

Auch im Klassik-Bereich ist das FMA recht ordentlich sortiert. Aus dem Angebot möchte ich einige Downloads besonders hervorheben: Weiterlesen

Meine Rezensionen im Schallplattenmann #648 vom 19.10.2009

Meine Rezensionen in der Ausgabe #648 des eZines Der Schallplattenmann sagt…

  • Dmitri Shostakovich / Mandelring Quartett – Complete String Quartets Vol. V: String Quartets Nos. 11, 13 & 15
    Das Mandelring Quartett schließt seinen Shostakovich-Zyklus ab
    (2009. SACD; Audite)

    (…) Die insgesamt fünf SACDs der Reihe werden über viele Jahre herausragende Einspielungen bleiben. Sowohl klanglich als auch interpretatorisch sind dies die besten Aufnahmen, die je ein deutsches Ensemble von diesen Streichquartetten gemacht hat, und auch im internationalen Vergleich gehören diese Aufnahmen zu den allerbesten. Mit warmem Klang und gefühlvollem Spiel ist es dem Mandelring Quartett gelungen, die Streichquartette schlüssig neu zu betrachten und Aspekte in der Musik Shostakovichs aufzuzeigen, die sonst allzu oft untergehen: Wärme, Poesie und eine spürbare Nähe zur Spätromantik. So konsequent musikalisch und unideologisch wurden diese Kompositionen vielleicht noch nie gespielt: Ein Shostakovich fürs 21. Jahrhundert.

  • Francesco Maria Veracini / L’Arte dell’Arco, Federico Guglielmo – Overtures & Concerti Vol. 1
    Barocke Virtuosität
    (2009, SACD; cpo)

    (…) Das italienische Originalinstrumente-Ensemble L’Arte dell’Arco mit seinem Leiter (und Violin-Solisten) Federico Guglielmo beweist einmal mehr seine Meisterschaft in der Interpretation italienischer Barockmusik. Das Ensemble spielt die vielschichtigen Kompositionen mit so viel Verve und Präzision, dass man sich jetzt schon auf die weiteren Veröffentlichungen der Veracini-Aufnahmen freuen kann (auch Dank der exzellenten Aufnahmetechnik). So viel unverbrauchte und lebendige Barockmusik sollte man sich (…)  nicht entgehen lassen. (…)

  • Adrian Willaert / Singer Pur – Musica Nova – The Petrarca Madrigals
    Der Zyklus der Petrarca-Madrigale, endlich vollständig auf CD
    (2009, 2CD; Oehms)

    (…) Zum ersten Mal erscheinen nun die 25 stilbildenden Madrigale (mit einer Ausnahme handelt es sich um vertonte Sonette aus Petrarcas „Canzoniere“), 450 Jahre nach ihrer Entstehung auf einem Tonträger. Das mehrfach mit dem Echo ausgezeichnete Vokalsextett Singer Pur präsentiert auf der vorliegenden Doppel-CD einen bis dahin nahezu unerhörten musikalischen Schatz auf höchstem Niveau. Bemerkenswert nicht nur die musikalische Umsetzung, sondern auch die aufwendige Aufmachung des umfangreichen Booklets mit einer guten Einführung in die Werke und sämtlichen Texten, samt Anmerkungen und Übersetzungen. Das alles in wunderschönem, der Zeit nachempfundenen Font (!) und mit zahlreichen Bildern. (…)

  • Johannes Brahms / Various – Das Gesamtwerk
    Das Gesamtwerk von Brahms in einer Box: Keine Highlights, viel Mittelmaß
    (2008, 60CD; Brilliant)

    (…) gut die Kammermusik und die Chormusik, größtenteils überraschend ordentlich (wenn auch nicht überragend) die Lieder (mit 13 CDs ein nicht nebensächlicher Posten in der Box) und die Chorwerke, eher schwach die bekannten symphonischen Werke und die Konzerte, durchschnittlich das „Deutsche Requiem“, uneinheitlich (aber größtenteils eher durchschnittlich) die Klaviermusik. Alles in allem befinden sich auf der Box zwar wenig komplette Ausfälle, aber eben auch keine echten Highlights. (…)

Meine Rezensionen im Schallplattenmann #642 vom 07.09.2009

Meine Rezensionen in der Ausgabe #642 des eZines Der Schallplattenmann sagt…

  • Béla Bartók / Nicolas Bringuier – Piano Works
    Musik kommt von der Melodie, Rhythmus und Klang
    (2009, SACD; Audite)

    (…) Neben Bringuiers Leistung als Interpret ist auch das Aufnahmeteam von Audite hervorzuheben, das es wahrlich verstanden hat, die Musik druckvoll und lebendig auf den Tonträger zu bringen. Das Ergebnis bietet eine gute Stunde exzellent dargebotener und formidabel klingender Klaviermusik des 20. Jahrhunderts in all ihren Facetten.
    (…) Eine Einzel-CD eines Nachwuchskünstlers, die einem Bartók näher bringen kann als manche Box mit Archivaufnahmen arrivierter Pianisten und Spezialisten: Hier ist die Sorgfalt, die Neugierde und die (neu entfachte?) Leidenschaft für Bartók jede Sekunde erfahrbar.

  • Various – The Classical Guitar Collection
    Musik für klassische Gitarre, von Bach bis Gilardino
    (1988-2008, Box-VÖ: 2009, 25CD; Brilliant)
    [keine Wertung]

    Diese Box fasst die (bisherigen) Veröffentlichungen mit Gitarrenmusik durch das niederländische Budget-Labels Brilliant zusammen. (…) Leider ist die Auswahl etwas wahllos, es fehlen einige wichtige Werke, insbesondere des 20. Jahrhunderts (insbesondere die Werke von Heitor Villa-Lobos), andere scheinen mir – gelinde gesagt – alles andere als essentiell.
    Ebenso breit ist dann auch das qualitative Spektrum der Interpreten: Sehr gut das Duo Maccari-Pugliese, ordentlich die meisten Gitarristen, einige sind dann doch recht farblos (etwa Dániel Benkö mit seinen romantischen Transkriptionen), wenige wirklich schwach (insbesondere Alfonso Moreno, ausgerechnet bei den Gitarrenkonzerten von Rodrigo).
    Wegen der Inhomogenität der Box vergebe ich keine Gesamtnote. Die einzelnen Produktion bewegen sich zwischen Ausschuss und Highlight, den meisten würde ich ’solides Handwerk‘ attestieren. Mein Tipp: Lieber sorgfältig in die einzelnen Produktionen reinhören, bevor man zu viel Ausschuss mitnimmt. (…)

Meine Rezensionen im Schallplattenmann #626 vom 27. April 2009

Meine Rezensionen in der Ausgabe #626 des eZines Der Schallplattenmann sagt…

Meine Rezensionen im Schallplattenmann #625 vom 20. April 2009

Meine Rezensionen in der Ausgabe #625 des eZines Der Schallplattenmann sagt…

WDR Rundfunkchor Köln – Franz Liszt: Via Crucis

Franz Liszt - Via CrucisGrauSchumacher Piano Duo · WDR Rundfunkchor Köln, Rupert Huber – Franz Liszt: Via Crucis / Younghi Pagh-Paan: Vide Domine, vide afflictionem nostram
(2009, SACD, Neos)

Mein Tipp zum heutigen Karfreitag kommt (vielleicht überraschenderweise?) nicht aus dem unerschöpflichen Fundus der großen barocken Passionen, sondern aus einer Epoche, die in Sachen sakraler Musik eindeutig im Schatten der Ära Bachs, Händels, Telemanns & Co steht, aus der Romantik. Und auch innerhalb der Romantik ist die „Via Crucis – Les 14 stations de la croix“ für Chor, Soli und Klavier zu vier Händen von Franz Liszt (1811-1886) ein ungewöhnliches Werk.

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Meine Rezensionen im Schallplattenmann #624 vom 6. April 2009

Meine Rezensionen in der Ausgabe #624 des eZines Der Schallplattenmann sagt…

Antje Weithaas & Silke Avenhaus – Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinsonaten

A. Weithaas & S. Avenhaus - Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinsonaten auf amazon.deAntje Weithaas & Silke Avenhaus – Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinsonaten
(2009, CD; CAvi)

Ein Album, randvoll mit Kammermusik von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), darunter zwei Welt-Ersteinspielungen, das klingt nach einer wirklich lohnenswerten Neuveröffentlichungen im diesjährigen Mendelssohn-Jahr.
Ein erster Durchlauf konnte die hohen Erwartungen indes (noch) nicht erfüllen. Zum einen finde ich den Klang des Albums nicht ausgewogen. Das Klavier dominiert den Klang, die Violine ist alles andere als gleichberechtigt – und so wie mit dem Klang ist es auch mit den meisten der hier vorgestellten Kompositionen: Die Violine geht unter, das Klavier steht im Vordergrund. Außerdem handelt es sich bei den allermeisten der hier vorgestellten Werke um frühe Kompositionen eines 11-jährigen (im Falle der F-Dur-Sonate) bzw. eines höchstens 16-jährigen (f-Moll-Sonate, op. 4 (1823) und das Fragment einer d-Moll-Sonate (1825) ). Lediglich die hier in einer „Urtext Edition“ erstveröffentlichte Sonate in F-Dur ist ein „Erwachsenen-Werk“. Und genau diese Sonate, bisher nur in der von Yehudi Menuhin offensichtlich stark bearbeiteten Fassung von 1953 bekannt, ist vielleicht die größte Enttäuschung des Albums. Wenn ich einen unverfälschten Geniestreich erwartet habe, dann konnte ich ihn zumindest beim ersten Durchhören nicht ausmachen. Das Werk scheint mir (immer noch oder gar viel mehr?) eher ein Nebenwerk zu sein. Da nützen dann auch die Beteuerungen der Interpreten im Booklet nichts. Hier zündet nicht viel – und die zurückhaltenden Interpreten tun auch nicht viel, um mit ihrer Persönlichkeit den Stücken zu mehr Wirkung zu verhelfen.

Interpretation
Klang
Booklet & Gestaltung