
Viktoria Mullova – Johann Ssbastian Bach: 6 Sonatas & Partitas for Violin solo
(2009), DoCD; Onyx)
Die sechs Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001-1006) von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sind so etwas wie der Prüfstein für jeden (ambitionierten) Violinisten. Gespickt mit technischen Schwierigkeiten, muss der (oder die) Ausführende das Kunststück fertig bringen, die Partitur zu meistern und interpretatorisch zu überzeugen. Eine Aufgabe, die nur die Allerbesten zufriedenstellend lösen können.
Viktoria Mullova ist in der schönen neuen Klassik-Glitzerwelt der Hochglanz-Stars sicherlich nicht die erste, die einem einfällt, wenn es um das zweifelhafte Attribut “Star-Geigerin” geht. Dies spricht freilich eher für sie, denn gegen sie spricht (so viel Schelte muss sein), denn derweil ein Teil der Klassik-Szene sich zunehmend in Szene (sic!) setzt, ins rechte Licht rücken lässt und von einem Publicity-wirksamen Auftritt zum nächsten hechelt (und dabei meist Halbseidenes spielt, das nur den ungeübten Klassik-Hörer zu beeindrucken weiß), spielt die Mullova zunehmend kompromisslosere Alben ein, mit denen sie sich weder einschmeicheln, noch das Publikum absichtlich provozieren möchte. Im Mittelpunkt steht die Musik (leider muss ich dieses Klischee hier bemühen und darf versichern – hier trifft es wirklich in besonderem Maße zu), und was für Musik uns die Mullova auf der vorliegenden CD präsentiert, wird einem erst wieder klar, wenn man ihre Interpretationen der Sonaten und Partiten für Violine solo von Bach hört.
Anders als die Cello Suiten (BWV 1007-1012) sind die Sonaten und Partiten für Violine solo alles andere als für unsere leicht zu verarbeitende Musik. Das mag daran liegen, dass uns heute die Violine als Solo-Instrument viel fremder vorkommt, als das Cello mit seinem warmen Klang; das mag daran liegen, dass Violinenspiel viel zu oft mit irrwitziger Virtuosität oder spröder Fingerfertigkeit assoziiert wird. Viktoria Mullova ist zweifelsohne eine fingerfertige Virtuosin, aber bei der vorliegenden Einspielung der Partiten und Sonaten geht es nicht um ihre beneidenswerte Technik (seien wir ehrlich, die Ausbildung heute produziert massig exzellente Techniker). Es geht auch nicht um das Originalinstrument (eine Guadagnini von 1750), die Darmseiten und den Barockbogen, den sie hier verwendet hat, auch nicht um den an Bach angepassten Grundton A (415 Hz), es geht um den Ausdruck, den Viktoria Mullova in diese Aufnahme gebracht hat, die detaillierte und differenzierte Auseinandersetzung mit den Noten.
Bei dieser Einspielung habe ich keine Sekunde lang an die technischen Schwierigkeiten der Partitur gedacht. nicht um das “historisch korrekte” Klangbild – ich habe einfach nur zugehört und diese Musik neu entdeckt. Und wenn ich stets geglaubt habe, dass historisch informierte Interpretation nicht die Wärme von “romantisierten” Interpretationen ausstrahlen können, dann sehe ich mich hier eines besseren belehrt. Diese Aufnahme der Partiten und Sonaten ist eine exzellente, intelligente und dem Werk gerechte Umsetzung. Ob das vielleicht sogar zur neuen Referenzaufnahme taugt, mögen andere entscheiden. Für mich ist Viktoria Mullovas Interpretation nun das Maß aller Dinge.
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| Booklet & Gestaltung | |
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