Während die Szene für Pop- und Rockmusik mit einer Open-Source-/ Creative-Commons-Lizenz boomt, sieht es im Bereich der klassischen Musik deutlich magerer aus: Es gibt ein paar Website auf denen man durchaus gelungene Einspielungen (meist mit Klaviermusik) von ambitionierten Amateuren finden kann, daneben gibt es auch einige Quellen, bei denen man historische Aufnahmen downloaden kann, doch dieselbe Bandbreite und dasselbe hohe Qualitätsniveau in Sachen freie Downloads erreichen die Angebote üblicherweise aus dem einen oder anderen Grund nicht. Umso erfreulicher ist es, wenn man dann auf eine Quelle mit exzellenter klassischer Musik stößt, die dann auch noch eine ansonsten wenig beachtete Nische bedient. Den Rest des Eintrages lesen »
(…) Die insgesamt fünf SACDs der Reihe werden über viele Jahre herausragende Einspielungen bleiben. Sowohl klanglich als auch interpretatorisch sind dies die besten Aufnahmen, die je ein deutsches Ensemble von diesen Streichquartetten gemacht hat, und auch im internationalen Vergleich gehören diese Aufnahmen zu den allerbesten. Mit warmem Klang und gefühlvollem Spiel ist es dem Mandelring Quartett gelungen, die Streichquartette schlüssig neu zu betrachten und Aspekte in der Musik Shostakovichs aufzuzeigen, die sonst allzu oft untergehen: Wärme, Poesie und eine spürbare Nähe zur Spätromantik. So konsequent musikalisch und unideologisch wurden diese Kompositionen vielleicht noch nie gespielt: Ein Shostakovich fürs 21. Jahrhundert.
(…) Das italienische Originalinstrumente-Ensemble L’Arte dell’Arco mit seinem Leiter (und Violin-Solisten) Federico Guglielmo beweist einmal mehr seine Meisterschaft in der Interpretation italienischer Barockmusik. Das Ensemble spielt die vielschichtigen Kompositionen mit so viel Verve und Präzision, dass man sich jetzt schon auf die weiteren Veröffentlichungen der Veracini-Aufnahmen freuen kann (auch Dank der exzellenten Aufnahmetechnik). So viel unverbrauchte und lebendige Barockmusik sollte man sich (…) nicht entgehen lassen. (…)
(…) Zum ersten Mal erscheinen nun die 25 stilbildenden Madrigale (mit einer Ausnahme handelt es sich um vertonte Sonette aus Petrarcas “Canzoniere”), 450 Jahre nach ihrer Entstehung auf einem Tonträger. Das mehrfach mit dem Echo ausgezeichnete Vokalsextett Singer Pur präsentiert auf der vorliegenden Doppel-CD einen bis dahin nahezu unerhörten musikalischen Schatz auf höchstem Niveau. Bemerkenswert nicht nur die musikalische Umsetzung, sondern auch die aufwendige Aufmachung des umfangreichen Booklets mit einer guten Einführung in die Werke und sämtlichen Texten, samt Anmerkungen und Übersetzungen. Das alles in wunderschönem, der Zeit nachempfundenen Font (!) und mit zahlreichen Bildern. (…)
(…) gut die Kammermusik und die Chormusik, größtenteils überraschend ordentlich (wenn auch nicht überragend) die Lieder (mit 13 CDs ein nicht nebensächlicher Posten in der Box) und die Chorwerke, eher schwach die bekannten symphonischen Werke und die Konzerte, durchschnittlich das “Deutsche Requiem”, uneinheitlich (aber größtenteils eher durchschnittlich) die Klaviermusik. Alles in allem befinden sich auf der Box zwar wenig komplette Ausfälle, aber eben auch keine echten Highlights. (…)
(…) Diese Interpretation entfernt Bach ein gutes Stück von der italienischen Barock-Konzert-Tradition (anstatt die Parallelen aufzuzeigen, wie bei den anderen Einspielungen): Wer sich Bach zurückhaltender wünscht, strenger und ein wenig kühler, wird an dieser Box kaum vorbeikommen. (…)
(…) “Wolfgang Amadeus Mozart – Das Gesamtwerk” ist eine empfehlenswerte Anschaffung für den Musikfreund, der noch nicht viel Mozart hat und eine durchaus lohnenswerte Ergänzung für den ‘Klassik-Profi’, der noch nicht alle Referenzaufnahmen besitzt (und besitzen will).
(…) Diese Erstaufnahme der Lieder ist heute, über 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung, immer noch absolute Referenz und Gänsehaut erzeugende, bewegende Kammermusik, ganz gleich ob man Russisch versteht, ganz gleich, ob man die wunderschönen Sonette von Michelangelo (ja, genau jenem Michelangelo, dem Maler und Bildhauer) im Original oder in einer Übersetzung ins Deutsche kennt.(…)
(…) Neben Bringuiers Leistung als Interpret ist auch das Aufnahmeteam von Audite hervorzuheben, das es wahrlich verstanden hat, die Musik druckvoll und lebendig auf den Tonträger zu bringen. Das Ergebnis bietet eine gute Stunde exzellent dargebotener und formidabel klingender Klaviermusik des 20. Jahrhunderts in all ihren Facetten.
(…) Eine Einzel-CD eines Nachwuchskünstlers, die einem Bartók näher bringen kann als manche Box mit Archivaufnahmen arrivierter Pianisten und Spezialisten: Hier ist die Sorgfalt, die Neugierde und die (neu entfachte?) Leidenschaft für Bartók jede Sekunde erfahrbar.
Diese Box fasst die (bisherigen) Veröffentlichungen mit Gitarrenmusik durch das niederländische Budget-Labels Brilliant zusammen. (…) Leider ist die Auswahl etwas wahllos, es fehlen einige wichtige Werke, insbesondere des 20. Jahrhunderts (insbesondere die Werke von Heitor Villa-Lobos), andere scheinen mir – gelinde gesagt – alles andere als essentiell.
Ebenso breit ist dann auch das qualitative Spektrum der Interpreten: Sehr gut das Duo Maccari-Pugliese, ordentlich die meisten Gitarristen, einige sind dann doch recht farblos (etwa Dániel Benkö mit seinen romantischen Transkriptionen), wenige wirklich schwach (insbesondere Alfonso Moreno, ausgerechnet bei den Gitarrenkonzerten von Rodrigo).
Wegen der Inhomogenität der Box vergebe ich keine Gesamtnote. Die einzelnen Produktion bewegen sich zwischen Ausschuss und Highlight, den meisten würde ich ‘solides Handwerk’ attestieren. Mein Tipp: Lieber sorgfältig in die einzelnen Produktionen reinhören, bevor man zu viel Ausschuss mitnimmt. (…)
The Choir of New College Oxford & Collegium Novum, Edward Higginbottom – Johann Sebastian Bach: Johannespassion, BWV 245 (2002, 2CD, Naxos)
Lange bevor ich “große Passion”, die Matthäuspassion, BWV 244 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) für mich erschließen konnte (dazu bedurfte es vieler Fehlkäufe, bis ich endlich meine Matthäuspassion fand), faszinierte mich die 2003 erschienene Aufnahme der Johannespassion des Collegium Novum mit dem Choir of New College Oxford unter der Leitung von Edward Higginbottom. Diese Aufnahme bietet alles, was man von einer guten, historisch informierten Umsetzung erwarten kann: Authentische Instrumente, gespielt von einem sehr homogenen Klangkörper unter fachkundiger und souveräner Leitung; ein natürliche klingende Aufnahme; ein warmer, wohlklingender und gut artikulierender Chor und ein Ensemble guter Solisten, im Falle des Evangelisten James Gilchrist sogar ein ganz ausgezeichneter. Ich empfinde den leichten Akzent hie und da, sowohl beim Chor, als auch bei einigen der Solisten, nicht wirklich als irritierend oder gar störend: Der Text bleibt allgemein gut verständlich.
The Chorus of Kazan State Conservatoire
The Chorus of the Opera Studio of Kazan State Conservatoire
The Chamber Orchestra of Kazan State Conservatoire
Conductor: Leo Kremer
Gefilmt in der Salikh Saydashev Great Concert Hall, Kazan, Tatarstan, Russland am 26. Mai 2005
Nächste Ausgabe von s| a| m #48
wird am 29. 09. 2011, von 21:00-23:00 Uhr
auf dem Stream des Senders Metal Refinement gesendet. Thema: t.b.a.
Paralleler Chat im IRC zur Sendung auf #progrock-dt und #metal-refinement