Eurovision Song Contest 2010: Das Semifinale, Teil 1
Geschrieben von sal in Kurioses, Listen, Musikwelt, tags: Eurovision Song Contest, Pop, Schlager, Trash»Das erste Semifinale brachte am Dienstag natürlich das erwartete Grauen.« Ein Satz den ich mühelos jedes Jahr schon mal vorab in den Blogartikel-Entwurf Copy-&-Pasten kann, denn seit Jahren sind die Semifinals die ungekürzten Trash-Highlights, die auch von der Abschlussveranstaltung nicht getoppt werden können. Aber ich muss gestehen, das heutige 1. Semifinale war eher langweilig und bis auf die üblichen 80er-Referenzen waren keine epochalen Katastrophen dabei – ach ja, quasi jede Band hatte einen Geiger auf der Bühne, wow, so plump wurde das (vermeintliche) Erfolgsrezept vom letzten Jahr schon lange nicht mehr imitiert. Ausnahme ist freilich der Serbe Milan Stanković, einer Art Yugo-Prinz-Eisenherz im Discokostüm.
Das Halbfinale selbst war zwar bunt, aber deutlich biederer und weniger großkotzig inszeniert, als die russische Variante letzten Jahres. Die Einspielfilmchen waren unfassbar unwitzig. Der Mangel an Sonne und Wärme macht sich halt irgendwie nicht nur in Black Metal bemerkbar.
Die Moderatoren Nadia Hasnaoui (die Dunkelhaarige), Haddy Jatou N’jie (die Dunkelhäutige) und Erik Solbakken (der Blonde aus der Boygroup) sprachen verständliches Englisch (da sind wir anderes gewöhnt), aber haben mich auch nicht umgehauen mit ihrem Charme. Aber man kriegt nicht gleich Ausschlag, wenn sie auf dem Bildschirm sind (das sind wir anderes gewöhnt).
Hier die Teilnehmer des 1. Semifinals in der Reihefolge ihrer Auftritte und einige böse, fiese, gemeine kritische Anmerkungen. Die fettgeschriebenen Teilnehmer sind für das Finale am Samstag qualifiziert:
- Moldawien: Sunstroke Project & Olia Tira – Run Away
Puffsaxophon, 80er-Typen, zwei nicht ganz schlechte Stimmen und ein Disco-Song aus den 90ern: Culture Beat mit Sax würde ich sagen. Chancenlos im Finale. - Russland: Peter Nalitch & Friends: Lost and Forgotten
Yeah! Eine Provinz-Beat’n'Blues-Band (»Wir spielen Beides…«) aus den 60ern mit einem Knödeltenor als Sänger. Das dröge Ding hat im Finale Chancen auf das erste Drittel, vielleicht sogar etwas mehr. - Estland: Malcolm Lincoln: Siren
»Siren in my head is making an awful sound« – ganz so schlimm war es nicht, fürs Finale hats dennoch nicht gereicht. Schade. War eine der wenigen erträglichen Nummern. - Slowakei: Kristina Pelakova – Horehronie
Juhu! Military-Women und eine Fee singen Volkslieder! Der niedlichen Sängerin zitterte vor Aufregung (oder Unvermögen?) die Stimme. Leider sehen wir die Dschinghis-Khan-Gedächtnis-Coreo am Samstag nicht wieder. Aber immerhin: Der erste Titel in Landessprache! - Finnland: Kuunkuiskaajat – Työlki Ellää
Argh! Schunkel-Folk von feschen Blondinen mit grauseligen Stimmen. Wo sind Eläkeläiset wenn man sie braucht? Zu berechnend. Weg damit. - Lettland: Aisha – What For?
Oh my fucking god! Eine nicht singen könnende Lettin im kurzen Bademantel. Eine Orgie der falschen Töne. Der schlechteste Beitrag des Abends. - Serbien: Milan Stanković – Ovo Je Balkan
Balkan-Pop mit ‘nem leiernden Achtziger-Pony. Wirklich kaum zu ertragen, aber mit Chancen im Finale. - Bosnien/Herzegowina: Vukašin Brajić – Thunder And Lightning
Balkan-Rock auf dem Niveau von Bon Jovi. Sympathischer Typ, ein echter KackSong, dennoch weiter. Am Samstag unter “Ferner liefen…” - Polen: Marcin Mroziński – Legenda
Seit Jahren sind die Polen Garanten für schlechte und geschmacklose Songs beim ESC. Dieses Mal hatten sie eine gute Nummer am Start, eine gelungene Mischung aus Folk und Pop, doch sie sangen leider auf Englisch. Das hat nicht gepasst. Rausgeflogen. - Belgien: Tom Dice – Me And My Guitar
Der belgische James Blunt im Waltons-Look. Die Nummer war so langweilig und harmlos und schlicht, dass sie im Feld auffallen musste. Gutes Mittelfeld, nicht mehr. - Malta: Thea Garrett – My Dream
In Malta gibt es kräftige Frauen mit kräftigen Stimmen, die seit Jahren immer dieselbe Ballade singen. Schlager mit englischen Texten. Das lebendige Federkleid konnte die Qualifikation auch nicht sichern. - Albanien: Juliana Pasha – It’s All About You
Endlich mal jemand mit mehr Zähnen als Stefan Raab! Eine wirklich abgegriffene Madonna-Lookalike mit einer Möchtegern-Anastacia-Stimme und einer schnöden Disco-Nummer. Qualifiziert, aber am Samstag wohl eher belanglos. - Griechenland: Giorgos Alkaios & Friends – Opa!
Einmal mehr: Ricky Martin meets Gyros-Pop: Auf die Griechen ist eben Verlass (muss ich die schwulen Tänzer erwähnen?) Das Ding hat sehr fette Siegchancen. Schrecklich, aber wahr. - Portugal: Filipa Azevedo – Há Dias Assim
Eine junge portugiesische Mariah Carey (der Gesang, nicht der Umfang!) mit einer entsprechend guten Stimme und einem furchtbaren Song. Trotzdem weiter. Aber am Samstag? Eher nicht. - Mazedonien: Gjoko Taneski – Jas Ja Imam Silata
Leicht bekleidete Frauen auf der Bühne wären bei dieser Mainstream-Rockhymne nicht notwendig gewesen. Der bosnischen Nummer nicht unähnlich, trotzdem rausgeflogen. Trotz Spritzermetal-Gitarrensolo. Tsä! - Weißrussland: 3+2 – Butterflies
Der Schleim-Overkill im Kirchentagshymnen-Sound. Schwiegermutter-Schnulzenmüll, inklusive Schmetterlingskostümen. Widerlicher Sondermüll, trotzdem weiter. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr. - Island: Hera Björk – Je Ne Sais Quoi
Konturloser, eingängiger Walküren-Europop: In den 90ern wäre das ein Hit geworden, obwohl die Sängerin dafür definitiv zu gut singt. Qualifiziert und sicherlich nicht der schlechteste Beitrag, aber enttäuschend für die Isländer, die es besser können.

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Ich teile Deine Meinung zu Serbien(als Deutscher) überhaupt nicht. ich fand den Sänger witztig und unterhaltsam. Das Lied war modern total faszinierend. Es müssen ja nicht immer Schlager sein.
Die Nummer fand ich für eine Goran-Bregovic-Nummer eher unterdurchschnittlich, viel zu poppig produziert, der Sänger mag witzig und unterhaltsam sein – aber ich fand ihn einfach mies. Die Serben haben sonst viel bessere Sänger am Start. Aber so ist das: Geschmackssache.