Christmas with the Stars, Teil 1: Bob Dylan – Christmas In The Heart
Geschrieben von sal in Rezension, tags: Blues, Country, Rock, WeihnachtenBob Dylan ist ein alter Mann. Das ist per se nichts Schlimmes, ich fürchte, ich bewege mich auch darauf zu (und für manche meiner Kumpels bin ich es vielleicht schon – diese jungen Hüpfer!), aber ich finde all seine Alben nach der großartigen “Time Out of Mind” bestenfalls ordentlich, zuletzt nur noch ein müder Abklatsch alter Großtaten. Mag sein, dass eingeschworene Fans das Geknarze mit Country-Musik toll finden, ich komme damit nicht mehr zurecht, siehe dazu auch mein Gemecker zum letzten regulären Album “Together Through Life”. Muss ja auch nicht sein. Dylan hat ein paar gute Alben gemacht, sogar ein paar musikalisch gute, auch wenn ihm das immer wieder abgesprochen ist, jetzt verwaltet er seinen Status als unbestritten coole “graue Eminenz” der amerikanischen Musik, ein Titel, den er wohl von Johnny Cash geerbt hat. Aber deswegen muss ich mir noch lange nicht alles schönreden, so ein Fan war ich wirklich nie.
Aber selbst hart gesottene Fans sollten sich an “Christmas In The Heart” die Zähne ausbeißen oder die Ohren ähm … verknoten. Der gebürtige Jude Robert Allen Zimmermann alias Bob Dylan hat für seine Weihnachtsscheibe den klassischen Sound der Weihnachtsmusik der 1950er gewählt (sieht man ja auch schon an der Cover-Gestaltung), sagen wir mal von Bing Crosby bis Elvis Presley. Entsprechend klingt dann auch die Band mit samt den summenden, singenden, Frauen-, Männer- und Kinder-Chören – und dazu krächzt Bob Dylan mit seiner ohnehin nicht überragenden und vom Alter auch nicht besser (nur interessanter) gewordenen Stimme Songs wie “I’ll Be Home For Christmas”, “Silver Bells”, “The Christmas Blues” (alle hinreißend und unvergesslich gecroonert von Dean Martin) oder gar noch schlimmer “Little Drummer Boy” (ein Song, der wohl immer Mist ist) oder (Himmel hab doch Erbarmen!) “O’ Come All Ye Faithful (Adeste Fideles)”. Wenn dann good ole Bobby durch das Latein von “Adeste Fideles” eiert, dann ist man gar nicht so weit von fremdschämen entfernt.
Wem soll das Album gefallen? Dylan-Fans werden wohl mit dem sentimentalen Weihnachtsschmock größere Probleme haben und Nicht-Dylan-Fans werden sich am Gekrächze des Meisters nicht gerade erfreuen können. Wie ich anfangs schon sagte: Bob Dylan ist ein alter Mann und macht vielleicht nur noch Sachen, die er wirklich machen möchte (denn wie man an seiner Inbrunst hören kann: Er meint es durchaus ernst!), aber ich muss es mir ja nicht mehr anhören. Und viele andere werden das wohl auch nicht (lange) freiwillig anhören. Letzten Endes bekommt man nur Lust auf echten Weihnachtsschmalz von Dino, Elvis oder Frankie-Boy.


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Ich kenne jemand, der Dylans Weihnachtsalbum schon öfters gehört hat, als TTL. Man muss natürlich auch etwas mit Weihnachten anfangen können. Wie Dylan selbst sagt: Religion ist nicht jedermanns Sache.
Ich hab mit den Mist trotzdem mal kurz angehört – gruselig. Da empfehle ich schon eher Tori Amos’ Weihnachtsplatte. Die Texte sind zwar auch übel, aber das Album ist wesentlich gefälliger.
Ich glaube nicht, dass man sonderlich religiös für das Album (oder generell für Weihnachten) sein muss. Ich bin Atheist und mag Weihnachten, mag sogar Weihnachtsmusik, liebe sakrale (Weihnachts-)Musik und sogar kitschige “amerikanische” Weihnachtsmusik (Dean Martin rulez!), aber dennoch funktioniert das Album nicht. Vielleicht hätte das Dylan vor 10 Jahren deutlich überzeugender bringen können. Zu Toris Album habe ich ja heute etwas veröffentlicht, das hat mich auch nicht so umgehauen. Macht auch nix, ich habe genügend Weihnachtskram, den ich mir anhören kann.