Eurovision Song Contest 2009: Meine Trash-Top-10

Ich verrate euch ein dunkles Geheimnis meiner bösartigen Seele: Der einzige Grund, warum ich den ESC so gerne gucke, ist das ungewöhnliche Aufkommen an Schund-Beiträgen aus aller Herren Ländern und meine diebische Freude daran, darüber abzulästern. Nirgendwo sieht man schlechtere Sänger, dämlichere Kostüme und albernere Tanz-Einlagen als beim Eurovision Song Contest. Hier ist meine Trash-Top-10 der diesjährigen Ausgabe. Nebenbei bemerkt: Der deutsche Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ von Alex Swings, Oscar Sings! (Ich grusel mich jedes Mal schon beim Titel und „Bandnamen“) läuft außer Konkurrenz – ansonsten müsste ich die Nummer in den Top 3 platzieren, mit gar nicht so schlechten Chancen auf den ersten, zumindest aber zweiten Rang. So aber ohne Deutschland, meine diesjährige Trash-Top-10:

  1. Bulgarien: Krassimir Avramov – Illusion
    In meinen Notizen zu seinem Auftritt finden sich nur drei Worte: »Oh! Mein! Gott!« Krassimirs Performance, sein Falsetto-Gesang, dazu seine Gesangspartnerin – all das sichert dem bulgarischen Beitrag dieses Jahr problemlos den Titel als grauenvollste Nummer des ESC.
    Das offizielle Promo-Video gibt leider nicht die gesamte Atmosphäre des Auftritts wieder, ist aber schon alleine wegen des Songs „sehenswert“.
    http://www.youtube.com/watch?v=8MLp-GepMY8
  2. Belgien: Copycat – Copycat
    Belgien ist das Land der Pommes Frites, der beleuchteten Autobahnen und der schlechten ESC-Beiträge. Und derweil die ersten beiden Punkte mühelos als dumme Vorurteile abgetan werden können (denn Belgien hat weiß Gott mehr zu bieten als Fritten und Autobahnen) bewahrheitet der hier agierende Fritten-Elvis mit seinen Background-Walküren das Vorurteil von Belgien als vermutlich schlechtester Nation des ESC der letzten Jahre eindrucksvoll. Wirklich ein unerträglicher Titel. Selbst im Promo-Video wird das wirklich Unwitzige des Titels klar. Der Sänger ist allerdings auf der Bühne deutlich rundlicher. Doch die Fritten?
    http://www.youtube.com/watch?v=uoCrJEqS214
  3. Ungarn: Zoli Ádok – Dance With Me
    OK, das wirkt jetzt wirklich fast wie eine Persiflage, aber eben nur fast, denn Zoli meint es bitterernst – und das ist bitter. Sagen wir mal so: So einen  “knackigen“ Typen mit einem „tollen“ Kostüm, einer „aufregenden“ Choreographie und einem „Super-Song“ kriegen wir normalerweise nur aus Griechenland geboten. Das war wirklich sehr peinlich. Das Publikum hatte ein Einsehen – Zolis Stern in Europa ist schon verglüht.
    http://www.youtube.com/watch?v=OCx2_mHr-T4
  4. Niederlande: The Toppers – Shine
    Die Niederländer sind eine begeisterte Eurovision-Nation, aber auch in den letzten Jahre eine chronisch erfolglose: Seit Einführung der Halbfinales 2004 haben sie nur ein Finale erreicht (eben 2004, wo sie dann 20. wurden – von 24) und das obwohl die Niederlande viermal den Grand Prix (1957, 1959, 1969, 1975) gewonnen haben. Aber was war das denn wieder dieses Jahr? Die vermutlich älteste Boyband der Welt (dreimal so alt und doppelt so schmierig) und drei dick-dralle Background-Miezen. Offenbar wollen die Holländer schnell nach Hause: Vermutlich ist das Campen in Russland nicht ganz einfach oder so.
    http://www.youtube.com/watch?v=bDk05IMVnPk
  5. Schweden: Marlena Ernman
    Die Schweden nehmen den ESC sehr ernst. In kaum einen anderen Land gibt es solch eine ausführliche und harte nationale Ausscheidung, trotzdem kommt aus Schweden seit Jahren nur Müll. Immerhin blieb uns dieses Jahr die gewohnte ABBA-Kopie erspart, aber diese Nummer mit ihrer unerträglichen Classics-meets-Pop-Attitüde ist gewiss nicht besser. Schrecklich, dass das auch noch im Finale zu hören sein wird und nicht einmal die schlechtesten Chancen haben wird.
    http://www.youtube.com/watch?v=5WH2OwJeMBE
  6. Tschechien: Gipsy.cz – Aven Romale
    Ein schmieriger Zigeuner-Superman rappt auf Romani, Tschechisch und Englisch (oder so etwas ähnlichem) für Tschechien. Eine nicht einmal unfreiwillig komische Nummer, die beim Halbfinale keine Chancen hatte.
    http://www.youtube.com/watch?v=w3CgUmzl4sk
  7. Serbien: Marko Kon & Milaan – Cipela
    Ein lustige Balkan-Nummer ist eine lustige Nummer. Also komplett überflüssig. Bäh. Was ein Schmarrn. Trotzdem: So etwas kommt natürlich dort an, wo man solch löstige Witzeken versteht, es hat aber glücklicherweise nicht für das Finale gereicht. Aber für die Trah-Top-10 reicht es allemal.
    http://www.youtube.com/watch?v=DRObP8XE4Ko
  8. Lettland: Intars Busulis – Probka
    Ein seltsam zuckender, sehr nervöser junger Mann mit 80er-Jahre-Jacke singt einen schlechten Song.  Erinnert mich an meine Jugend und die war nicht immer glücklich in den Achtzigern. Eine höchst befremdliche Mischung aus Epilepsie und billigen Rock-Riffs. Das Video ist leider kein Ersatz für die besorgniserregende Live-Performance
    http://www.youtube.com/watch?v=uubxd_8P97M
  9. Ukraine: Svetlana Loboda – Be my Valentine! (Anti-crisis Girl)
    Die schrecklichste aller  “sexy” Dance-Pop-Nummern: Aufwendige Pyrotechnik, halbnackte Kerle und eine weniger als halbnackte Sängerin in hohen Stiefeln in einem der drei vulgärsten Outfits, an die ich mich beim ESC erinnern kann. Das war dann noch ein bisschen schlimmer als die Selbstbeweihräucherung aus Rumänien von Elena mit „The Balkan Girls“, obwohl es eigentliche derselbe Song war (n’est-ce pas?). Beides sind Selbst-Stilisierungen, die meine Vorurteile schüren. Trotzdem haben beide Nummern Siegchancen. Brrrr…
    http://www.youtube.com/watch?v=dFqw8_T_mpE
  10. Finnland: Waldo’s People – Lose Control
    Finnland schickt oft mutige Titel ins Rennen. Früher wurden diese oft ignoriert, doch seit Lordis „Hard Rock Hallelujah“ ist vieles anders geworden bei den Finnen. Leider nicht notwendigerweise zum besseren, denn diese finnische Ausgabe von DJ Bobo hat es ins Finale geschafft, anders als das Original (als DJ Bobo) letztes Jahr für die Schweiz. Eine schier unerträgliche Disco-Stampf-Nummer.
    http://www.youtube.com/watch?v=Td6HeWx_6WQ

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