Maurice Ravel – L’Enfant et le Sortilèges
Geschrieben von sal in Rezension, tags: Moderne, OperMaurice Ravel (1875-1937) ist nicht gerade für seine Opern bekannt, Kunststück: Seine beiden Vokalwerke für die Bühne L’Heure espagnole (“Die spanische Stunde”, Uraufführung 1911) und L’Enfant et les Sortilèges (“Das Kind und der Zauberspuk”, Uraufführung 1925) sind zwei sehr gelungene, aber ungewöhnliche Umsetzungen für die Oper.
In den letzten Wochen sind gleich zwei Neuaufnahmen von “L’Enfant et les Sortilèges” erschienen, eine mit echter Starbesetzung (Simon Rattle, Berliner Philharmoniker, Magdalena Kožená), die andere bloß mit nordamerikanischen Nachwuchssängern. Da sollte doch die Wahl leicht fallen, oder?
Maurice Ravel / Rundfunkchor Berlin · Berliner Philharmoniker, Simon Rattle – L’Enfant et le Sortilèges · Ma Mère l’Oye
Simon Rattle liebt die Musik des 20. Jahrhunderts. Der sympathische Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hat im Laufe seiner Karriere eine ganze Reihe an exzellenten Einspielungen mit Werken von Benjamin Britten, Igor Stravinsky und eben Maurice Ravel vorgelegt.
Sein jüngster Streich in Sachen Moderne (des 20. Jahrhunderts) ist die Einspielung der kurzen und kurzweiligen Ravel-Oper “L’Enfant et le Sortilèges” in einer regelrechten Starbesetzung, unter anderem mit Annick Massis, José Van Dam und seiner Lebensgefährtin Magdalena Kožená in der Titelrolle des unartigen Kindes. Eine sorgfältige und wohl überlegte Besetzung der Singstimmen macht hier noch mehr als bei anderen Opern Sinn: Ravel zieht in “L’Enfant et le Sortilèges” alle Register seines Könnens. Sowohl das Orchester, als auch (und gerade auch!) die Sänger müssen Ungewöhnliches leisten – der Orchesterpart ist ein Klacks für die Berliner, deren schwelgerischer Sound gerade mit Ravels farbiger Instrumentierung harmoniert; überraschend unauffällig (Achtung: unauffällig, nicht “schlecht” ist gemeint) bleiben aber einige Sänger, da hätte ich deutlich mehr erwartet. Auch wenn Rattle im Promo-Video ausdrücklich vom Dreamcast der Aufnahme spricht, bin ich nicht ganz seiner Meinung.
Ausgerechnet Koženás sonst so warmer, angenehmer Mezzo-Sopran mag mich als Stimme für ein trotziges Kind nicht so recht zu überzeugen,. Lediglich in den ruhigen Passagen kommt das Timbre ihrer außergewöhnlichen Stimme ganz zur Geltung. Vielleicht liegt es an der Sprache? Die Gesangsparts sind gespickt mit frechen Wortspielen und schnellen Passagen, die viel Konzentration erfordern und bei einer Live-Aufnahme – das Album wurde “in concert” an verschiedenen Abenden im September 2008 aufgenommen – bleibt nicht viel Raum fürs besser machen.
Unterm Strich bleibt eine überzeugende Orchesterleistung (erst Recht bei “Ma Mère l’Oye”) und eine solide Sängerleistung. Das schöne Artwork und das ausführliche Libretto mögen auch noch ein Plus für diese Ausgabe sein.
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Maurice Ravel / Nashville Symphony Orchestra & Chorus, Alastair Willis “L’Enfant et le Sortilèges · Shéhérazade”
Der Vergleich mit der fast gleichzeitig erschienen “Star-Einspielung” der Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle scheint ungehörig, wenn sich Nashville Symphony Orchestra & Chorus unter Alastair Willis und eine Riege junge Sänger daran messen müssen, doch die Naxos-Einspielung der wahrhaft magischen Oper “L’Enfant et le Sortilèges” von Maurice Ravel schneidet in diesem Vergleich gar nicht schlecht ab.<br>
Sicher, den Nashvillern fehlt ein Stückchen zur Strahlkraft der großen Berliner Philharmoniker, aber sowohl das Orchester, als auch das junge Sänger-Ensemble (absolut hinreissend Julia Boulianne als Kind. Ferner Geneviève Després, Philippe Castagner, Ian Greenlaw usw.) machen das durch Engagement und Spiel- bzw. Singfreude wett. Wenn man so will, “spielen” die Sänger ihre Rollen hier überzeugender, als ich der Hochpreis-Produktion. Unter der nicht zu beanstandenden Leitung von Alastair Willis kommt der ironisch-komische, kindliche, magische Charakter von “L’Enfant et le Sortilèges” besonders gut zur Geltung. Addiere ich den deutlich geringeren Preis und den immer noch ordentlichen Sound zu dieser sehr soliden CD, so sehe ich wirklich keinen Qualitätsunterschied zur “großen” Aufnahme.
Fazit: Ravels Oper über unartige Kinder, verzauberte Uhren, Teetassen und Sessel und die Magie der Natur ist so oder so eine Entdeckung wert: So viel Humor, so viele sprühende Ideen hört man auf der Bühne nicht alle Tage. Für welche der beiden empfehlenswerten Aufnahmen man sich letzten Endes entscheidet, ist da nebensächlich: Man darf sich auf jeden Fall auf eine vergnügliche Oper freuen.




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