Archiv für März 2009

Meine Rezensionen in der Ausgabe #623 des eZines “Der Schallplattenmann sagt…”

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Glenn Gould · H. von Karajan - L. van Beethoven: Klavierkonzert No. 3Glenn Gould · Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan – Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert No. 3, c-Moll, op 37 | J. S. Bach: aus “Das Wohltemperierte Klavier II”
(Aufnahme 1957, 2009, CD, Membran)

Als Glenn Gould (1932-1982) im Mai 1957 von einer gefeierten Konzertreihe in der Sowjetunion auf der Rückreise in Berlin halt machte, kam es zu einer bemerkenswerten künstlerischen Begegnung (Ende der 1950er hätte man sich in Berlin kaum eine spektakulärere Begegnung ausdenken können): Glenn Gould spielte mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan (1908-1989) das Klavierkonzert Nr. 3, c-moll, Op. 37 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) im Konzertsaal der Universität der Künste. Die Kritiker damals waren völlig aus dem Häuschen, dann aber geriet der Mitschnitt in Vergessenheit, bevor er im letztjährigen “Karajan-Jahr” zum ersten Mal offiziell von Sony veröffentlicht wurde.

Mittlerweile wurde die klanglich eher dürftige Live-(Mono)-Aufnahme auch vom Reissue-Spezialisten Membran in seiner Documents-Reihe veröffentlicht. Aber welchen künstlerischen Wert hat denn nun das vermeintliches Gipfeltreffen? Nun, bei genauerem Hinhören eigentlich enttäuschend wenig. Für Gould’sche Verhältnisse ist dies eine brave, streckenweise sogar sehr konventionelle Einspielung. Zwar brilliert er in den Solo-Parts immer wieder mal, spielt aber insgesamt mit einem seltsam biederen, manchmal viel zu weichem Orchester im Rücken. Goulds Dynamik und Leichtigkeit geht im Karajan’schen Orchester-Samt immer wieder unter, außerdem sind Karajans Tempo-Vorstellungen nicht immer die von Gould, vor allem im ersten Satz finde ich diese Diskrepanz sehr störend. Goulds klares Spiel will einfach nicht mit Karajans “entmaterialisierter”, geglätteter Klangphilosophie harmonieren. So bleibt diese Aufnahme in erster Linie nur ein historisches Dokument. Die schlechte Soundqualität des Ausgangsmaterials und das laute, katarrisch hustende Publikum tun da ihr übriges. Bei aller Freude über eine “neue” Gould-Aufnahme, diese CD ist eigentlich eher etwas für Komplettisten, selbst der Karajan-Fan sollte in seinem reichhaltigen Katalog bessere Alternativ-Aufnahmen des Konzert finden.
Glenn Glenn Gould · Leonard Bernstein - Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert No. 3 auf amazon.deGould sollte 1959 mit Leonard Bernstein das dritte Klavierkonzert für sein Label Columbia in deutlich besser Klangqualität und letzten Endes auch in einer deutlich schlüssigeren Interpretation aufnehmen.
Ergänzt wird die Gould-Karajan CD durch Aufnahmen von zwei Fugen aus “Das wohltemperierte Klavier, Buch II” von J.S. Bach. Diese wurden offenbar ausgewählt, weil sie ebenfalls 1957 entstanden, doch was nützen einem die zwei kleine Fugen als nette “Bonus Tracks” wenn der Rest nur mäßig überzeugen kann?

Interpretation
Klang-Restaurierung
Booklet
Preis / Leistung

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igor Stravinsky - Works of Igor Stravinsky auf amazon.deIgor Stravinsky – Works of Igor Stravinsky
(1945-68, Re-Release 2007, 22CD-Box, Sony Classical)

Ich habe mich ja lange davor gedrückt, diese Box zu bestellen – kein Platz, kein Geld, nicht noch so eine dicke Box, andere Anschaffungen sind wichtiger, wann will ich das alles hören – die üblichen Ausreden halt ;-) – aber nach einer erneuten Preissenkung (aktueller Preis 27,97 €, Stand 28.03.09) und noch einer Restgutschrift bei amazon.de konnte ich dann nicht anders und musste zuschlagen, zumal meine Igor Stravinsky-Diskografie erschreckend klein war. Wann ich mal zumindest in einiger meiner Stravinsky-Favoriten reinhöre, ist freilich eine ganz andere Geschichte…

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Viktoria Mullova – Johann Ssbastian Bach: 6 Sonatas & Partitas for Violin solo
(
2009), DoCD; Onyx)

Die sechs Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001-1006) von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sind so etwas wie der Prüfstein für jeden (ambitionierten) Violinisten. Gespickt mit technischen Schwierigkeiten, muss der (oder die) Ausführende das Kunststück fertig bringen, die Partitur zu meistern und interpretatorisch zu überzeugen. Eine Aufgabe, die nur die Allerbesten zufriedenstellend lösen können.

Viktoria Mullova ist in der schönen neuen Klassik-Glitzerwelt der Hochglanz-Stars sicherlich nicht die erste, die einem einfällt, wenn es um das zweifelhafte Attribut “Star-Geigerin” geht. Dies spricht freilich eher für sie, denn gegen sie spricht (so viel Schelte muss sein), denn derweil ein Teil der Klassik-Szene sich zunehmend in Szene (sic!) setzt, ins rechte Licht rücken lässt und von einem Publicity-wirksamen Auftritt zum nächsten hechelt (und dabei meist Halbseidenes spielt, das nur den ungeübten Klassik-Hörer zu beeindrucken weiß), spielt die Mullova zunehmend kompromisslosere Alben ein, mit denen sie sich weder einschmeicheln, noch das Publikum absichtlich provozieren möchte. Im Mittelpunkt steht die Musik (leider muss ich dieses Klischee hier bemühen und darf versichern – hier trifft es wirklich in besonderem Maße zu), und was für Musik uns die Mullova auf der vorliegenden CD präsentiert, wird einem erst wieder klar, wenn man ihre Interpretationen der Sonaten und Partiten für Violine solo von Bach hört.

Anders als die Cello Suiten (BWV 1007-1012) sind die Sonaten und Partiten für Violine solo alles andere als für unsere leicht zu verarbeitende Musik. Das mag daran liegen, dass uns heute die Violine als Solo-Instrument viel fremder vorkommt, als das Cello mit seinem warmen Klang; das mag daran liegen, dass Violinenspiel viel zu oft mit irrwitziger Virtuosität oder spröder Fingerfertigkeit assoziiert wird. Viktoria Mullova ist zweifelsohne eine fingerfertige Virtuosin, aber bei der vorliegenden Einspielung der Partiten und Sonaten geht es nicht um ihre beneidenswerte Technik (seien wir ehrlich, die Ausbildung heute produziert massig exzellente Techniker). Es geht auch nicht um das Originalinstrument (eine Guadagnini von 1750), die Darmseiten und den Barockbogen, den sie hier verwendet hat, auch nicht um den an Bach angepassten Grundton A (415 Hz), es geht um den Ausdruck, den Viktoria Mullova in diese Aufnahme gebracht hat, die detaillierte und differenzierte Auseinandersetzung mit den Noten.

Bei dieser Einspielung habe ich keine Sekunde lang an die technischen Schwierigkeiten der Partitur gedacht. nicht um das “historisch korrekte” Klangbild – ich habe einfach nur zugehört und diese Musik neu entdeckt. Und wenn ich stets geglaubt habe, dass historisch informierte Interpretation nicht die Wärme von “romantisierten” Interpretationen ausstrahlen können, dann sehe ich mich hier eines besseren belehrt. Diese Aufnahme der Partiten und Sonaten ist eine exzellente, intelligente und dem Werk gerechte Umsetzung. Ob das vielleicht sogar zur neuen Referenzaufnahme taugt, mögen andere entscheiden. Für mich ist Viktoria Mullovas Interpretation nun das Maß aller Dinge.

Interpretation
Klang
Booklet & Gestaltung
Preis / Leistung

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A. Weithaas & S. Avenhaus - Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinsonaten auf amazon.deAntje Weithaas & Silke Avenhaus – Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinsonaten
(2009, CD; CAvi)

Ein Album, randvoll mit Kammermusik von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), darunter zwei Welt-Ersteinspielungen, das klingt nach einer wirklich lohnenswerten Neuveröffentlichungen im diesjährigen Mendelssohn-Jahr.
Ein erster Durchlauf konnte die hohen Erwartungen indes (noch) nicht erfüllen. Zum einen finde ich den Klang des Albums nicht ausgewogen. Das Klavier dominiert den Klang, die Violine ist alles andere als gleichberechtigt – und so wie mit dem Klang ist es auch mit den meisten der hier vorgestellten Kompositionen: Die Violine geht unter, das Klavier steht im Vordergrund. Außerdem handelt es sich bei den allermeisten der hier vorgestellten Werke um frühe Kompositionen eines 11-jährigen (im Falle der F-Dur-Sonate) bzw. eines höchstens 16-jährigen (f-Moll-Sonate, op. 4 (1823) und das Fragment einer d-Moll-Sonate (1825) ). Lediglich die hier in einer “Urtext Edition” erstveröffentlichte Sonate in F-Dur ist ein “Erwachsenen-Werk”. Und genau diese Sonate, bisher nur in der von Yehudi Menuhin offensichtlich stark bearbeiteten Fassung von 1953 bekannt, ist vielleicht die größte Enttäuschung des Albums. Wenn ich einen unverfälschten Geniestreich erwartet habe, dann konnte ich ihn zumindest beim ersten Durchhören nicht ausmachen. Das Werk scheint mir (immer noch oder gar viel mehr?) eher ein Nebenwerk zu sein. Da nützen dann auch die Beteuerungen der Interpreten im Booklet nichts. Hier zündet nicht viel – und die zurückhaltenden Interpreten tun auch nicht viel, um mit ihrer Persönlichkeit den Stücken zu mehr Wirkung zu verhelfen.

Interpretation
Klang
Booklet & Gestaltung

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Pablo Casals – Johann Sebastian Bach: Cello Suites Nos. 1-6
(1927-39, Re-Release 2001, DoCD, Naxos Historical)

Historische Aufnahmen aus pre-digitalen, pre-stereoauralen Tagen scheinen in einer Zeit der perfekten digitalen Aufnahme mit technisch perfekten Interpreten geradezu anachronistisch. Oft genug begegnet man diesen grässlich rauschenden Aufnahmen auf den Supermarkt-Wühltischen und wenn der Preis zum Kaufen verführt, so ärgert man sich schon beim ersten Hören schwarz. Fortan verstaubt das vermeintliche Schnäppchen in den hintersten Reihen des heimischen CD-Regals.
Historische Aufnahmen können allerdings auch nahezu perfekt restauriert sein (nur, dass man sie dann nicht auf dem Supermarkt-Wühltisch findet), so wie bei den vorliegenden Aufnahmen aus den Jahren 1927-39, die von Ward Marston liebevoll mit den Mitteln modernster Technik bearbeitet worden sind. Was man auf dem vorliegendem Album zu hören bekommt, ist es allemal wert, der musikliebenden Nachwelt präsentiert zu werden, denn Pablo Casals (1876-1973) Interpretation der Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sind schlichtweg begeisternd und von der ersten bis zur letzten Sekunde tief bewegend.
Mehr noch als seine technische Brillanz, die Variabilität seines Vibrato etwa oder die flexiblen Tempi, mehr noch als der wundervolle Klang, den er seinem Instrument zu verlocken vermag, wühlt Casals sehr persönliche Interpretation den Hörer auf. Casals versteht es, diesen schwierigen Noten Leben einzuhauchen, sein Leben, sie gleichsam zu seinen ureigenen Cello-Suiten zu machen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch die tragischen Umstände deutlich hörbar sind, in die sich Europa in der Entstehungszeit dieser Aufnahmen immer mehr verstrickte. Casals, der Spanier und Republikaner nimmt in seinem Spiel, so meint man, die ganze Tragik jener Zeit vorweg – blutiger Kampf, Krieg, Vernichtung, Hoffnungslosigkeit – der überzeugte Anti-Faschist setzt dies alles um. Nie wieder sollten die Cello-Suiten so persönlich wirken, wie bei diesen zu Recht legendären Aufnahmen. Gänsehautmusik auch die kurzen Bonus-Zugaben, Bearbeitung Bach’scher Werke für Cello allesamt: Hoffnungslos traurig “Komm, süßer Tod” (BWV 478) und selbst die wohlbekannte “Air” aus der Suite No. 3 (BWV 1068) erklingt frei von vordergründiger Süßlichkeit. Die schönsten Klassikaufnahmen, die ich überhaupt kenne.

Interpretation
Klang-Restaurierung
Booklet
Preis / Leistung

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Meine Rezensionen in der Ausgabe #622 des eZines “Der Schallplattenmann sagt…”

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Meine Rezensionen in der Ausgabe #621 des eZines “Der Schallplattenmann sagt…”

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“Hello world!” ist die Standard-Begrüßung eines jeden (WordPress-) Blogs, also warum nicht zu Beginn des blog.about-music.de an dieser Stelle die Welt grüßen? ;-)

Bassschlüssel

Willkommen auf blog.about-music.de, meinem privaten Musikblog. Hier sollen neue und alte CDs aus allen Genres vorgestellt, besprochen, kommentiert, gelobt oder verrissen werden. Außerdem gibt es kleine oder weniger kleine Geschichten aus dem Rezensenten-Alltag, ein paar Tipps und Entdeckungen sind hoffentlich auch dabei (und nicht nur Warnungen).

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