Bowie, der Verführer

Ich erinnere mich an 1983. Oh, ich erinnere mich an die Abschlussfeier meiner 10. Realschul-Klasse, es muss im Juni oder Juli gewesen sein. Wir feierten in einem Pfarrsaal in Köln-Ehrenfeld und ich war – gemeinsam mit ein paar anderen Jungs – für die Musik verantwortlich. Natürlich. Ich hatte die meisten Platten. Schon damals.

Ich war schon früh da, sehr früh. Wir bauten die Anlage auf und erst wenige Schulkameraden waren da. Die meisten waren in den letzten zwei Jahren engste Freunde geworden, die ich bald verlieren sollten (die regelrecht vergehen sollten) – weil sich die Zeiten ändern, weil ich mich verändern sollte.
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2016 in music: The ever popular Top 25 best albums of the year list

Album des Jahres:

David Bowie – Blackstar (bei amazon.de | bei jpc.de)

Nein wirklich, da kann es keinen Zweifel geben. Mein Album des Jahres erschien bereits am 8. Januar und es wäre auch mein Album des Jahres geworden, wenn the thin white duke nicht gestorben wäre. Es ist das erste Bowie-Album seit Urzeiten, dass ich von Anfang bis Ende liebe (ich war ja bekennender Bowie-Skeptiker): Düster, dystopisch, todesahnend, dazu Gesang, der so intensiv wie sonst nur der von Scott Walker oder Peter Hammill ist (aber eben ganz anders). Musik, die die Grenzen zwischen Artpop, Jazz und Prog auflöst und gleichzeitig erweitert, ein kompromissloses Meisterwerk eines Ausnahmekünstlers, der sich am Ende seiner Karriere nichts mehr beweisen musste.
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Kostenlos und sehr klassisch: Beethovens Neunte vom Orchester Anima Eterna unter Jos Van Immerseel

Gute Klassik auf Bandcamp zu finden, ist leider quasi unmöglich. Es gibt sie nämlich kaum. Unter dem Tag „Classical“ tummelt sich allerlei seichtes Light-Classics-Geplätscher für Klavier und Ambient-Wind-und-Wald-Effekte (würg) und einige wenige seriöse Klavier-Aufnahmen, etwas die exzellenten Bach-Aufnahmen von Kimiko Ishizaka, auf die ich hier und an anderer Stelle immer wieder hingewiesen habe.
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Kostenlos und sehr weihnachtlich: The Walla Recovery – A Star, a Star

Am 2. Weihnachtstag erreicht mich dann doch noch ein neues, hörenswertes und kostenloses Weihnachtsalbum: „A Star, a Star“ von The Walla Recovery bietet charmante, unaufgeregte Fassungen von bekannten (englischen und amerikanischen) Weihnachtsliedern im (hauptsächlich) akustischen Chamber-Folk-Sound. Zack Smith (Gesang, Gitarre, Klavier) und seine vielköpfige Band (u. a. mit Cello und Mandoline) musizieren bescheiden und melancholisch, fast privat. Das Album ist eher etwas für die behagliche Stimmung daheim denn für die glühweinselige Weihnachtsfeier.

Den kostenlosen Download gibt es hier bei Noisetrade

Kostenlos und sehr weihnachtlich: Blueneck – Christmas

Das britische Duo Blueneck aus Bristol spielt ruhig und schwermütig gehaltenen Post-Rock mit leichten Artpop-Anleihen. Ihr Weihnachts-Album „Christmas“ erschien bereits 2015 und ist eine der gelungensten (kostenlosen) Weihnachtsveröffentlichungen der letzten Jahre. Acht bekannte Weihnachtssongs, darunter auch Klassiker wie „I Believe in Father Christmas“ oder „White Christmas“, erklingen mit düsterem, leicht schwermütigen Timbre. Selbst Chris Reas Schmonzette „Driving Home For Christmas“ wird bei Blueneck zu melancholischen Heimfahrt und Whams garstiges „Last Christmas“ wird zum Klagelied eines naiven Verlierers.

Viele kostenlose Tipps sind es auch dieses Jahr nicht gewesen. Mir scheint, die guten Jahre in der „kostenlosen Musikszene“ sind vorbei. Der Markt bewegt sich einfach in eine Richtung, der ich nicht mehr folgen möchte. Statt die Freiheiten einer Indie-Produktion zu nutzen, versuchen viele Nachwuchskünstler mit ihren Weihnachtsalben angestrengt wie ihre kommerziellen Vorbilder zu klingen. An Plagiaten habe ich kein Interesse mehr, dann höre ich lieber die kommerziellen Vorbilder. Das nimmt mir allerdings nicht die Freude an der Weihnachtsmusik – es gibt ja bereits mehr als genug.

Meinen treuen Lesern wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und uns alle ein friedliches, glückliches und die Welt heilendes 2017.

Um es mit den Worten des seligen Greg Lake zu sagen:

I wish you a hopeful Christmas
I wish you a brave New Year
All anguish pain and sadness
Leave your heart and let your road be clear
They said there’ll be snow at Christmas
They said there’ll be peace on Earth
Hallelujah Noel be it Heaven or Hell
The Christmas we get we deserve.

Spotify-Playlist: Es muss nicht immer „Last Christmas“ sein

Zu meiner Liste der empfehlenswerten „Alternativen und Klassikern zum Weihnachtsmusik-Brei aus dem Radio und Fernsehen“ habe ich eine Playlist mit Musikbeispielen der 50 genannten Alben (sofern verfügbar) zusammengestellt, die man ab sofort bei Spotify abspielen kann.

Ergänzt wird sie durch gelungene Einzeltitel von Künstlern wie Joni Mitchell, Jona Lewie, Emerson Lake & Palmer, Dido, Dave Matthews, den Smashing Pumpkins, Tom Waits und anderen. Hier geht’s zur Playlist bei Spotify: http://bit.ly/nolastchristmas.

Eine Kopie Liste kann man auch beim Streamingdienst Deezer aufrufen: http://www.deezer.com/playlist/2547212804.

Tipp: Die Playlists am besten gleich abonnieren, damit man auch zukünftige Updates und Ergänzungen mitbekommt.

Es muss nicht immer „Last Christmas“ sein — 50 Alternativen und Klassiker zum Weihnachtsmusik-Brei aus dem Radio und Fernsehen

Wenn man die Mainstream-Medien verfolgt (wovon ich ausdrücklich abrate!), sagen wir einmal WDR 2, die Spotify-Christmas Playlist und die RTL Chartshow, dann könnte man den Eindruck haben, dass kein Weg an „All I Want For Christmas Is You“ von Mariah Carey, „Driving Home For Christmas“ von Chris Rea und vor allem am unsäglichen „Last Christmas“ von Wham vorbeiführt. Moderne Weihnachtsmusik funktioniert nur, wenn sie alle Klischees bedient, und zwar gleichzeitig und in doppelter, was sage ich in dreifacher Ausführung.

Und doch gibt es sie, die „andere“ Weihnachtsmusik. Die, die nicht kitschig ist. Die, die noch nicht totgenudelt wurde. Die, die alle Gefühle, die wir mit diesem seltsamen Fest verbinden – Sehnsucht, Hoffnung, Frieden, Liebe aber auch Verzweiflung, Einsamkeit, manchmal auch Wut – ausdrückt, ohne Stereotypen zu bedienen.

Ich bin immer ein Fan von guter Weihnachtsmusik gewesen. Ich habe meine ganz persönliche Top 50 zusammengestellt, die ich hier präsentieren möchte.
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Kostenlos und sehr weihnachtlich: Sleeping At Last – Christmas Collection 2016

Alle Jahre wieder stockt Ryan O’Neal a.k.a. Sleeping At Last seine „Christmas Collection“ um ein neues Stück auf. Und alle Jahre wieder ist sein Album der Auftakt der kostenlosen musikalischen Weihnachtssaison. Sleeping At Last stehen für melancholische Cover-Versionen bekannter Weihnachtsklassiker. Die 2016er-Neuauflage wurde um „The Christmas Waltz“ erweitert, einem amerikanischen Weihnachtsklassiker, der von Frank Sinatra, später dann von Peggy Lee, Doris Day, Bing Crosby, The Carpenters, Natalie Cole und vielen anderen gecovert wurde. Außerdem enthalten: die Originalkomposition „Snow“, außerdem amerikanischen Weihnachtsfavoriten wie „O Come, O Come Emmanuel“, „Silver Bells“, „I’ll Be Home For Christmas“ und White Christmas“.

Sleeping At Last - Christmas Collection 2016

(Um zum kostenlosen Download bei noisetrade.com zu lange, bitte aufs Cover klicken).
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Future of Forestry - The Advent Anthology (Sampler)

Kostenlos und sehr weihnachtlich: The Advent Anthology (Sampler) von Future of Forestry

Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, doch siehe da: Kurz vor Toresschluss gelangt  (dank an Jürgen​ K. für den Tipp)  doch noch ein interessanter neuer kostenloser, weihnachtlicher Download in meine Grinch-Fänge: Future of Foresty haben auf „The Advent Anthology“ bekannte Weihnachtslieder bemerkenswert unkitschig, „schön depri“ aufgenommen. Genau so muss Weihnachten dieses Jahr für mich klingen. ?

Das komplette Album ging es gegen Kohle im Webstore, die EP mit immerhin vier Tracks gibt es kostenlos bei Noisetrade.

The Advent Anthology (Sampler) von Future of Forestry auf noisetrade.com

Weihnachtstipps 2015

Kostenlos und sehr weihnachtlich: Neue Auflagen bewährter Highlights der letzten Jahre

Dieses Jahr will die Weihnachtsmusik nicht so richtig bei mir zünden. Ob es an meinem diesjährigen ausgeprägten Weihnachtsverdruss liegt, oder an der immer schlechter werdenden Musik („Früher war alles besser“), kann ich nicht neutral beantworten. Statt also zahlreicher einzelner Artikel, fasse ich dieses Mal wenigstens die (bisherigen) Highlights des Saison in einem Artikel zusammen. Diese sind interessanterweise allesamt neue Auflagen und Volumen bekannter Alben und Sampler, alte Bekannte also. Passt ja auch irgendwie zu Weihnachten.

(Zu den Downloads gelangt man mit einem Klick aufs Cover).
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